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CfP: Auf dem Weg ins Unbekannte? Vergleichende Perspektiven auf den ‚Orient‘ in neuzeitlichen Reiseberichten

Ort: Wien

Veranstaltungsort: Österreichische Akademie der Wissenschaften/Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung

Veranstalter: Arno Strohmeyer/Doris Gruber/project team „Travelogues: Perceptions of the Other 1500–1876 – A Computerized Analysis“

Datum: 28.11.2019–29.11.2019

Bewerbungsschluss: 07.01.2019

URL: http://www.travelogues-project.info/cfp_de/

Der Orient wurde in der Neuzeit vielfach bereist, ob im Zuge von Pilgerfahrten, Handelsreisen, Gesandtschaften, Forschungs- oder Bildungsreisen. Aufzeichnungen des hierbei Erlebten zeugen auf einzigartige Weise von Fremdwahrnehmungen. Bei deren Analyse sind jedoch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen, denn das Verständnis von ‚fremd‘ ist stets Ausdruck von Relationen: Was wie als fremd wahrgenommen wurde, war individuell geprägt und von der soziokulturellen Herkunft der Reisenden beeinflusst. Die Kategorien ‚fremd‘ und ‚eigen‘ sind nicht klar binär zu trennen, sondern als Übergangszonen mit vielfältigen Ausformungen zu betrachten. Viele der Reiseberichte stehen in Abhängigkeitsverhältnissen zu anderen Berichten und Medien. Gleichzeitig erzeugte und verfestigte das, was jeweils als fremd wahrgenommen wurde, Machtverhältnisse und Stereotype. In der Forschung wurde diesbezüglich der wechselseitige Einfluss von Fremdwahrnehmungen sowie politischen, medialen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen betont. Auch hierbei ist ein starker Einfluss des soziokulturellen Hintergrunds zu beobachten. Als einschneidende Ereignisse hinsichtlich der Orientwahrnehmungen wurden für den deutschsprachigen Raum etwa die Eroberung Konstantinopels (1453) und die gescheiterte Belagerung Wiens (1683) herausgearbeitet, für Spanien die Eroberung Granadas (1492) und für Ungarn die Schlacht von Mohács (1526) sowie der Friede von Eisenburg (1664). Die immer differenzierter und kritisch betrachtete Vorstellung von ‚Orientalismus‘ (Edward W. Said) scheint ab dem 18. Jahrhundert internationaler greifbar zu sein, wobei gleichzeitig auch eine verstärkte ‚Orientmanie‘ zu konstatieren ist.

Diese quellen- und themenimmanenten Gegebenheiten erschweren vergleichende Analysen, was sich etwa darin widerspiegelt, dass sich bisherige Forschungen in der Regel auf einzelne oder wenige ausgewählte Reiseberichte respektive andere Medien(-formen) beschränkten. Deshalb soll im Zuge des Workshops nach Möglichkeiten und Grenzen vergleichender Untersuchungen gefragt werden. Um dies zu erleichtern, wird ein geographischer, medialer und zeitlicher Fokus gesetzt. Wir laden dazu ein, Wahrnehmungen des Orients (v.a. Osmanisches Reich und Perserreich) in Reiseberichten des 16.–19. Jahrhunderts zu diskutieren. Um ein umfassendes Bild zu erhalten, werden möglichst viele verschiedene Herkunftskulturen der Reisenden in den Blick genommen. Besonders begrüßt werden auch außereuropäische Perspektiven, vor allem zu Reisen innerhalb des Orients. Im Zuge des Workshops sollen u.a. folgende Themenfelder behandelt werden:

Themenfeld 1 Fremdwahrnehmungen: Was wurde am Orient in (einzelnen) Reiseberichten als fremd wahrgenommen? Wie wurde Fremdheit konstruiert? Welche Unterschiede und Entwicklungen lassen sich in synchroner oder diachroner Perspektive aufzeigen?

Themenfeld 2 Biographik: Inwiefern beeinflussten der biographische und soziokulturelle Hintergrund der an der Produktion von Reiseberichten beteiligten Personen und die (vermuteten) Rezipienten die darin enthaltenen Fremdwahrnehmungen und wie lässt sich dies nachweisen?

Themenfeld 3 Intermaterialität und Intermodalität: In welchem Verhältnis standen die Reiseberichte zu anderen Berichten und Medien, insbesondere die Texte und Bilder betreffend, und wie kann dies nachverfolgt werden?

Themenfeld 4 Möglichkeiten vergleichender Analyse: Lässt sich die in Reiseberichten konstruierte Fremdheit in vergleichbare Kategorien übersetzen? Welche Herausforderungen gehen damit einher und welche (neuen) Möglichkeiten eröffnen digitale Analyseverfahren?

Themenfeld 5 Wirkmacht: Wie lassen sich die zeitgenössische Rezeption und nachfolgende Bedeutung (einzelner) Reiseberichte abgesehen von der Menge an Ausgaben und Übersetzungen nachverfolgen?

Der Workshop findet im Rahmen des FWF/DFG-Projekts: „Travelogues: Perceptions of the Other 1500–1876 – A Computerized Analysis“ statt. Beabsichtigt ist ein interdisziplinärer Zugang. Der Call richtet sich an alle zum Thema Forschende, unabhängig von der wissenschaftlichen Disziplin. Eine Publikation der Beiträge, inklusive Peer-Review-Verfahren, ist geplant. Die Vortragssprachen sind bevorzugt Englisch oder Deutsch. Ein Beitragsexposé von ca. 250 Wörtern und einen Kurz-CV senden Sie bitte bis 07.01.2019 an: Dr. Doris Gruber (doris.gruber(at)oeaw.ac.at).

(DG) (AS)