On the Way into the Unknown? Comparative Perspectives on the ‘Orient’ in (Early) Modern Travelogues

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Internationale Konferenz, Donnerstag, 28.11.–Samstag, 30.11.2019

Ort: Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Hollandstraße 11–13, 1. Stock, 1020 Wien.

Kontakt:

MMag. Dr. Doris Gruber
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Hollandstraße 11–13, 1. Stock, 1020 Wien, Österreich
T: +43 1 51581-7329
doris.gruber(at)oeaw.ac.at

Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer
Universität Salzburg
Rudolfskai 22, 5020 Salzburg, Österreich
arno.strohmeyer(at)oeaw.ac.at

Die Konferenz ist der höchstaktuellen Thematik von ‚Fremdwahrnehmungen‘ gewidmet und fokussiert sich auf (früh-)neuzeitliche Reiseberichte in den ‚Orient‘. Der ‚Orient‘ (Osmanisches Reich und Perserreiche) wurde zu dieser Zeit vielfach bereist, ob im Zuge von Pilgerfahrten, Handelsreisen, Gesandtschaften, Forschungs- oder Bildungsreisen. Aufzeichnungen des hierbei Erlebten zeugen auf einzigartige Weise von Fremdwahrnehmungen. Bei deren Analyse sind jedoch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen, denn das Verständnis von ‚fremd‘ ist stets Ausdruck von Relationen: Was wie als fremd wahrgenommen wurde, war individuell geprägt und von der soziokulturellen Herkunft der Reisenden beeinflusst. Die Kategorien ‚fremd‘ und ‚eigen‘ sind nicht klar binär zu trennen, sondern als Übergangszonen mit vielfältigen Ausformungen zu betrachten. Viele der Reiseberichte stehen in Abhängigkeitsverhältnissen zu anderen Berichten und Medien. Gleichzeitig erzeugte und verfestigte das, was jeweils als fremd wahrgenommen wurde, Machtverhältnisse und Stereotype. In der Forschung wurde diesbezüglich der wechselseitige Einfluss von Fremdwahrnehmungen sowie politischen, medialen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen betont. Auch hierbei ist ein starker Einfluss des soziokulturellen Hintergrunds zu beobachten. Als einschneidende Ereignisse hinsichtlich der Orientwahrnehmungen wurden für den deutschsprachigen Raum etwa die Eroberung Konstantinopels (1453) und die gescheiterte Belagerung Wiens (1683) herausgearbeitet, für Spanien die Eroberung Granadas (1492) und für Ungarn die Schlacht von Mohács (1526) sowie der Friede von Eisenburg (1664). Die immer differenzierter und kritisch betrachtete Vorstellung von ‚Orientalismus‘ (Edward W. Said) scheint ab dem 18. Jahrhundert internationaler greifbar zu sein, wobei gleichzeitig auch eine verstärkte ‚Orientmanie‘ zu konstatieren ist.

Die Projekte ‚Travelogues: Perceptions of the Other 1500–1876 – A Computerized Analysis’ (FWF-Projekt: I 3795-G28) und ‚The Mediality of Diplomatic Communication. Habsburg Envoys in Constantinople in the Mid-17th Century’ (FWF-Projekt: P30091, Universität Salzburg) laden Sie ein, ‚Fremdwahrnehmungen‘ des ‚Orients‘ anhand von Reiseberichten des 16.–19. Jahrhunderts zu diskutieren. Die internationale und interdisziplinäre Konferenz wird Möglichkeiten und Grenzen vergleichender Analysen ausloten und die Fragen aufwerfen, wie Fremdwahrnehmungen geformt wurden und was dies generell über die Verfestigung und den Wandel von Machtverhältnissen, Stereotypen und Vorurteilen aussagt.